Vom Rad zum Reifen…
Montag, 23. März 2009Lange vor den heutigen Reifen, weit zurückliegend in der Antike der Mesopotamier und Sumerer liegt die Geschichte der Autoreifen verborgen: Mit der Erfindung des Rads wurde seinerzeit die Möglichkeit geschaffen, Kriegsmaterial sowie andere wichtige Waren und Güter mit Hilfe von Fahrzeugen und Zugtieren verhältnismäßig schnell und komfortabel quer durch die damals bekannte Welt zu transportieren. Allzu weit verbreitet waren Räder und Fahrzeuge in jenen längst vergangenen Tagen jedoch nicht, da der Mangel an Straßen die Nutzung von rollenden Transportmitteln zumeist verhinderte.
Die erste dokumentierte, weit verbreitete Nutzung von Rädern zeigte sich in den kriegerischen Auseinandersetzungen der Altbabylonischen Kulturen mit den nicht minder ausgerüsteten alten Ägyptern. Kräftezehrende Schlachten zwischen waffenstarrenden Streitwagen und Bogenschützen auf beiden Seiten verhalfen dem Rad gerade in militärischer Hinsicht zum endgültigen Durchbruch, wie uns dies zahlreiche Wandgemälde und Reliefs aus jenen weit zurückliegenden Tagen noch heute eindrucksvoll mitteilen.
Das Rad setzte seinen Siegeszug fort: Auch die alten Griechen waren sich der Schlagkraft der schnellen, mobilen Streitwagen bewusst, wenn sich auch erst im Hellenismus der Streitwagen als Symbol für den Heerführer Alexander der Große militärisch, aber auch ikonographisch, durchsetzte. Fortan war die Nutzung von Fahrzeugen ein Privileg der herrschenden Klasse, was sich auch wie ein roter Faden durch die Geschichte der römischen Republik und des römischen Kaiserreichs hindurch zieht: Gerade im Rahmen der gigantischen Triumphzüge des späten römischen Kaiserreichs war der mit Rädern versehene und von den gefangenen feindlichen Soldaten gezogene Triumphwagen des Kaisers ein Symbol für gottgleiche Unbesiegbarkeit und Mobilität (siehe auch der Sonnenwagen des göttlichen Helios).
Vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit entwickelte sich das Rad nur geringfügig weiter, die Federung der schaukelnden Kutschen jedoch wurde nach und nach verbessert, wenn auch die mangelnden Straßenverhältnisse eine Reise durch das Territorium des heiligen Römischen Reichs deutscher Nation zu einer wochenlangen Quälerei gestalten konnten.
Um diesem Mangel an Komfort entgegenzuwirken wurden zwei Dinge benötigt: Kautschuk, der zunächst ein Mal aus den Kolonien in Übersee, v.a. den Philippinnen und Afrika herbeigeschafft werden konnte sowie einen findiger Geist, der aus der Kombination von Gummi und dem Rad den sogenannten Reifen erschuf: Charles Goodyear gilt als Erfinder des Reifens, da er 1839 erstmals durch Vulkanisieren des Kautschuks Gummi herstellte. Aufgezogen wurde der Reifen in erhitztem Zustand, dabei dehnt dieser sich aus, um sich beim Erkalten wieder festzuziehen.
Die modernen Reifen von heute haben nicht mehr viel gemeinsam mit den Reifen des 19. Jahrhunderts. Von Wissenschaftlern und Ingenieuren in langen Forschungszeiträumen entwickelte Spezialreifen für Hochgeschwindigkeitsrennen der Formel 1 oder Lkw-Reifen für die Benutzung in Alaskas extremen Bergbauregionen zeichnen ein deutlich anderes Bild, als das des einfachen Gummireifen, der für ein wenig mehr Komfort sorgen sollte. Der Reifen von heute ist ein hochentwickeltes Produkt mit langer Entwicklungsdauer, das vor allem für mehr Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten und extremen Fahrbahnbedingungen sorgen muss.